Licht ist Leben - Licht ist Energie

Licht ist Magie und Faszination (PW - Ausgabe 01/08)

Die Sonne steht seit jeher in allen Kulturen als Sinnbild für Leben, Wärme und Wachstum. Das Licht kam jedoch auch aus gänzlich anderen Quellen wie Mond und Feuer. Und weit mehr als jedes andere Medium löst Licht  Emotionen aus. Lagerfeuer, Kerzenlicht, Sterne oder Vollmond sind Sinnbild für Romantik. Licht ist die Voraussetzung von optischer Wahrnehmung. Seit Urzeiten versucht der Mensch deshalb, die Dunkelheit zu vertreiben und auch die Nacht für seine Tätigkeiten nutzbar zu machen.

Mit rauchenden Fackeln, russenden Kerzen und Ölfunzeln gelang dies vorerst nur unzureichend. Erst die Erfindung der Glühbirne durch Heinrich Goebel (1854) und der Kohlenfadenlampe von Thomas Alva Edison (1879) brachte immer und überall verfügbares, sauberes Licht in das Dunkel. Es dauerte jedoch bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, dass das elektrische Licht Einzug in die Städte hielt. Helle Straßen und Räume ermöglichten mehr Sicherheit, längere Produktionszeiten und neue Möglichkeiten für die Werbung. Dabei war auch die Erfindung der preiswerten, effizienten Neonlampe ein Meilenstein der Beleuchtungstechnik. Charles Chaplin drehte "Lichter der Großstadt". Nicht lange nach der ersten Lichtwoche 1928 in Berlin und dem Lichtdom aus Flakscheinwerfern von Albert Speer kam mit der dunkelsten Zeit des Jahrhunderts auch schon wieder die Zeit der Verdunkelung.

Die Zunahme des Verkehrs und die Industrialisierung in den 60er Jahren brachten die flächendeckende Beleuchtung in Deutschland. Licht diente in erster Linie der Sicherheit und Produktivität. Leuchtreklame kam als Nebeneffekt hinzu. Kunstlicht machte nach und nach die Nacht zum Tage. Stadtlicht hieß jedoch: Straßenbeleuchtung und Neonreklame. Raumlicht waren Neonlampe oder Zimmerlüster. Erst in unseren Tagen wächst das Bewusstsein für Lichtdesign in Räumen und Städten. Nicht zuletzt durch den Einsatz neuer, effizienter Leuchtmittel und den Zwang zum Energiesparen. Die Energiesparlampe bildet hier einen wichtigen Schritt, die Erfindung der weißen LED durch Nakamura einen weiteren Meilenstein. Die LEDs haben eine außerordentlich hohe Lebensdauer und verbrauchen beträchtlich weniger Energie als herkömmliche Glühlampen. In den Industrieländern können durch Auswechseln der gegenwärtigen Beleuchtung gegen LED-Lampen in den kommenden Jahrzehnten ca. 70 Prozent Energie für Beleuchtung gespart werden. Da die LEDs kaum Hitze entwickeln, wasserfest sind und eine ca. 1.000mal höhere Lebensdauer haben, ergeben sich viele bisher kaum realisierbare Beleuchtungsformen. Damit sind LEDs eine hervorragende Wahl für architektonische Beleuchtungsprojekte, die noch dazu farbverändernde Lichtquellen bieten können. Die Entscheidung für LEDs bedeutet ebenfalls eine Entscheidung für Lichtquellen, die direktionales Licht ausstrahlen. Damit bietet sich jetzt die Möglichkeit, nicht nur Lichtquellen auszutauschen, sondern ganz neue Lichtwelten zu erschaffen.

Beleuchtung schafft Atmosphäre
Licht verleiht Räumen, Plätzen, Flächen und Straßen einen eigenen Charakter. Licht regt die Neugier von Passanten an und macht Orte oder Plätze bei nächtlichen Spaziergängern mystisch, offen oder geheimnisvoll. Eine gut beleuchtete Stadt lädt Menschen dazu ein, durch die Straßen zu schlendern – auch abends und nachts. Die Beleuchtung erhöht die Sicherheit und fördert die regionale Wirtschaft. Das Beleuchtungskonzept ist ein wichtiger Aspekt, der dazu beiträgt, eine angenehme und lebenswerte Stadt zu schaffen – und dazu auch ein energiesparender.
Solche neue Konzepte wurden in Gent oder Lyon realisiert, wo Roland Jéols  1989 erstmals seinen «Plan Lumière» umgesetzt hat. Heute prägen über dreihundert eigenwillig beleuchtete Plätze, Brücken, Brunnen und Gebäudefassaden die nächtliche Innenstadt. Wie das Licht die Struktur der Bauwerke herausarbeitet und jede Brücke Teil des Gesamtkonzepts wird, sieht man bereits auf den Bildern. Die wahre Wirkung des neuen Lichtgewandes erspürt man sicher erst vor Ort. „Licht ist für mich ein lebendiges Baumaterial, um die natürliche Atmosphäre einer Stätte zu betonen oder neu zu akzentuieren“, sagt der Gestalter Roland Jéol.

«Wir werden auf jeden Fall und als Erstes versuchen, auch die Lichtverschmutzung einzudämmen», sagt Roland Jéol, der lange in Italien gearbeitet hat, wo die Lichtverschmutzung ein echtes Problem und die Dark-Sky-Lobby sehr präsent ist. Die größten Verursacher der Lichtverschmutzung sind Straßenbeleuchtung, Leuchtreklamen und Flutlichtanlagen. Problematisch ist bei der Lichtverschmutzung hauptsächlich der nach oben abgestrahlte Anteil des Lichts durch unsinnig konstruierte Beleuchtungsanlagen und Straßenlaternen. Diese werfen ihr Licht zu einem Großteil nicht dorthin, wo es eigentlich benötigt wird (Boden oder Fassade), sondern streuen oft nutzlos zu den Seiten und nach oben. Oftmals blenden solche Lichtquelle sogar im Straßenverkehr oder scheinen in Schlafzimmer.

Durch moderne, intelligente Lichtkonzepte und gut konstruierte Lichtquellen lassen sich also  mehrfache Nutzen ziehen. Zum einen wird die Lebensqualität in Stadt, Land und Raum erhöht. Zum anderen kann mit modernen Lichtquellen erheblich Energie gespart werden. Durch den gezielt eingesetzten Lichtkegel kann auch die Lichtverschmutzung eingedämmt werden und vielleicht sogar wieder ein romantischer Sternenhimmel über der Stadt erstrahlen.

http://www.atelier-roland-jeol.com/
http://www.led-effects.de/
http://www.osram.de/
http://www.phillips.de/

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