
Am Donnerstag den 26.1.2012 stand der Bereich des Nymphenburger Schlosses ganz im Zeichen des geplanten Ausbaus des 1990 eröffneten Museums Mensch und Natur zu einem „Naturkundemuseum Bayern“ (Namu Bayern). Bereits am Vormittag schwebte ein riesiges Dinosauriermodell über den Dächern des altehrwürdigen Schlosses und nahm seinen Platz im Hof des ehemaligen Instituts für Genetik der LMU ein. Genau hier soll in den nächsten Jahren ein Neubau entstehen, der die bisher im Museum Mensch und Natur zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche (bisher ca. 2.500 Quadratmeter) mehr als verdoppeln wird. Die Kosten hierfür werden auf etwa 70 Millionen Euro angesetzt.
Am Abend gründete sich dann im Beisein von Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch und S.K.H. Herzog Franz von Bayern in Schloss Nymphenburg der Förderkreis Namu Bayern, dessen Ziel es ist, dem Projekt den notwendigen politischen und öffentlichen Anstoß zu geben und aktiv zu seiner Verwirklichung beizutragen. Mehr als 300 interessierte Personen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Medien und Gesellschaft waren daher der Einladung des Förderkreises und seiner beiden Vorsitzenden I.K.H. Dr. Auguste Prinzessin zur Lippe und Prof. Randolf Rodenstock gefolgt und wurden mit einem kurzweiligen Programm und einer gelungenen Präsentation des Projekts Naturkundemuseum Bayern belohnt.

In Ihrer Begrüßung betonte Prinzessin zur Lippe die Bedeutung eines Naturkundemuseums Bayern, um die zunehmend naturentfremdete Jugend wieder an die Natur heranzuführen und Interesse für die Naturwissenschaften zu wecken. Prof. Rodenstock, Vorsitzender der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, ergänzte, dass naturwissenschaftliche Bildung angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels einen bedeutenden Standortfaktor darstellt. Wissenschaftsminister Heubisch, der wie zahlreiche Anwesende noch an diesem Abend dem Förderkreis beitrat, betonte in seinem Grußwort, dass er das Projekt mit aller Kraft unterstützt und ihm zentrale Bedeutung für den gesamten Freistaat beimisst, da es als Katalysator für die naturkundliche Bildung in unserem Land wirke.
Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), erläuterte anschließend anschaulich die aktuelle Situation sowie die hervorragenden Perspektiven eines Naturkundemuseums Bayern. Mit etwa 30 Mio. Sammlungsstücken gehören die SNSB zu den größten naturkundlichen Sammlungen der Welt. Nur ein winziger Bruchteil dieser Schätze, bei denen es sich oft um einmalige Stücke von höchstem wissenschaftlichem Wert handelt, kann aufgrund fehlender Möglichkeiten bisher öffentlich gezeigt werden. So fristen Exponate wie der bayerische Urvogel Archaeopteryx, der Originalabguss eines 30 m langen Dinosauriers, wertvollste Mineralstufen wie der berühmte Leuchtenberg-Smaragd oder seltene zoologische Präparate zum Teil bereits ausgestorbener Tierarten weitgehend ein Schattendasein. „Die Objekte sind da, wir brauchen nur das Museum, um sie zu zeigen“ war daher eine Kernaussage Professor Haszprunars, der auch den gesamtbayerischen Charakter der SNSB mit ihrem Netz von Regionalmuseen in ganz Bayern betonte.

Der Zeitpunkt für eine Erweiterung des Museums Mensch und Natur, das zwar seit Jahren ausgesprochen erfolgreich arbeitet, aufgrund seiner Größe und vieler infrastruktureller Defizite seine Rolle als zentrales Schaufenster der SNSB aber nur zum teil ausfüllen kann, ist optimal. Mit der Umsiedlung von zwei Instituten der Ludwigs-Maximilians-Universität nach Martinsried wurden in unmittelbarer Nachbarschaft des Museums im Schlossareal Nymphenburg geeignete Flächen frei, die für einen Neubau genutzt werden können. Der erste Realisierungsschritt ist daher ein Architektenwettbewerb, der noch in diesem Jahr stattfinden soll
Der Förderkreis hat es sich zum Ziel gesetzt, die hierfür erforderlichen Mittel in den nächsten Monaten einzuwerben, und es ist ausgesprochen erfreulich, dass bereits im Vorfeld der Veranstaltung sowie am gestrigen Abend zahlreiche Spenden eingingen bzw. avisiert wurden. Neben namhaften Firmen haben auch zahlreiche Privatpersonen dazu beigetragen, dass bereits umfangreiche Spenden eingegangen sind.
Ebenso erfreulich wie das Spendenaufkommen ist die Bereitschaft namhafter Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, sich im Kuratorium des Förderkreises zu engagieren. S.K.H. Prinz Ludwig von Bayern, der den Vorsitz des Kuratoriums übernommen hat, konnte daher eine ganze Reihe bedeutender Persönlichkeiten benennen. Mitglieder des Kuratoriums sind unter anderem Vertreter der Politik wie Staatsminister Thomas Kreutzer, Kultusstaatssekretär Bernd Sibler, Ministerpräsident a.D. Dr. Günther Beckstein, Landtagspräsident a.D. Alois Glück oder Frau Bürgermeisterin Christine Strobl, aber auch Vertreter der Wissenschaft wie der Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität Prof. Dr. Bernd Huber und der Präsident der TU München Prof. Dr. Wolfgang Hermann, sowie Personen aus der Wirtschaft wie Herr Claus Hipp, Peter Wacker, Isabell Remus, Angelika Diekmann und viele mehr.
Wie groß das Interesse an dem Projekt ist, zeigt aber auch die Anzahl der Besucher auf der Internetseite des Förderkreises. Seit Freischaltung der Domain www.namu-bayern.de am gestrigen Donnerstag wurden dort bereits fast 9.000 Seitenzugriffe gezählt.