Lesezeit ca. 9 Minuten
xxJersey - das fast vergessene Naturparadies
Geschrieben von Webmaster am Montag, 11. Juni 2018
Aktuelle News der Redaktion

Endlich taucht aus dem dichten Nebel ein Flecken Land unter mir auf. Da ist es also das kleine Eiland im Kanal zwischen zwei Welten. Jersey - die Insel ganz dicht an der französischen Küste. Ein Kronjuwel, dass sich heute in einem dichten weißen Mantel hüllt, dessen Schönheit ich in den nächsten Tagen erst Stück für Stück entdecken muss und will.

Weite ausladende Strände und ein unverwechselbarer Blick auf das berühmte Elisabeth Castle erfreuen den Betrachter bei einem ersten Spaziergang an der Küste von St. Helier, der quirligen Hauptstadt Jerseys, die sich vor allem zum Einkaufen hochklassiger Mode und Spezialitäten eignet. Dank des unglaublichen Tidenhubs von 12 m zieht sich das Meer bei Ebbe sehr weit zurück um bei Flut bis an die Küste zu stürmen. Fast kümmerlich und einsam liegen kleine Boote hilflos auf dem Sand, ob des fehlenden Wassers unter ihrem Kiel.

Wie gut, dass das Wetter auf Audio Jersey niemals von langer Dauer ist. Auf dichten Nebel und Regen folgen sehr schnell Sonnenschein und Wärme. So lässt sich die Natur dieser einzigartigen Insel besonders intensiv erleben.

Die kleine, aber feine Insel im Kanal zwischen Frankreich und England ist nicht Teil des Vereinigten Königreichs, sondern untersteht als Kronbesitz direkt der britischen Krone, genau wie die Nachbarinsel Guernsey und Sark. Sogar eine eigene Währung gibt es auf Jersey das Jersey-Pfund, das jedoch außerhalb der Insel nirgendwo getauscht werden kann und dort auch keine Gültigkeit besitzt.

Ich beginne meine Inselerkundung in den...


Gärten der Domaine des Vaux im Örtchen St. Lawrence. Schnell bemerke ich dass auf der Insel die meisten Straßennamen sowie Namen von Häusern und Bewohnern französisch sind. Dies rührt vor allem von Jerseys französischer Vergangenheit her. Denn ursprünglich waren alle Kanalinseln Teil der Ländereien des Herzogs der Normandie und wurden im Jahr 1066 von Herzog Wilhelm dem Eroberer zu einem Teil Englands. Die Nähe zur französischen Küste und die Prägung der Bevölkerung in Richtung Frankreich, ohne jedoch die Herrschaft der englischen Kündigung in Frage zu stellen ist markant für die Bewohner der Kanalinseln. Angekommen auf der Domaine des Vaux begrüßen mich die Eheleute Binney auf ihrem Anwesen. Marcus Hugh Crofton Binney ist der Besitzer der liebevoll angelegten Gartenanlage die jedoch vor allem von seiner Frau Anne und einem Angestellten Gärtner gepflegt wird. Binneys Mutter, Lady Sonia Beresford Whyte, die Ehefrau des berühmten Polarforschers Sir George Binney, legte den Garten 1969 in mühevoller Detailarbeit an. 1987 übernahm Marcus Binney, der eigentlich in Essex lebte, das Anwesen seiner Mutter und führte es fort. Abwechslungsreiche Bepflanzung und ein das ganze Jahr blühender Garten sind die Leidenschaft von Anne Binney, auf deren Initiative auch das jährlich stattfindende Opernfestival in den Gartenanlagen zurückgeht. Die Vielfalt der hier angelegten Bepflanzung mutet an wie ein wilder Garten, der auf seine Entdeckung wartet. Eigentlich war Marcus Binney früher Foto Journalist und interessierte sich vor allem für Schlösser in Europa, aber der Garten ist zu seiner Passion geworden lacht der freundliche 73-jährige, der mit verschmitztem Gesicht und markantem Hut durch sein grünes Anwesen flaniert und den Gästen stolz die Farben- und Blütenpracht der Domaine des Vaux präsentiert. Das riesige Anwesen verfügt über ein Tal mit zahlreichen Baumarten, ein Kamelienwald und über 40 Arten von Sträuchern Azaleen japanische Ahornbäume und mehrere Teiche. Stattlich wie ein Prinzessinnengarten kommt vor allem der auf mehreren Ebenen angelegte Garten vor dem Bauernhaus des Anwesens daher. Wichtig ist Anne Binney die verschiedenfarbige Bepflanzung der Gartenbereiche, erklärt die fleißige Gärtnerin.



Beeindruckt verlasse ich dieses Anwesen um mich weiteren, grünen Entdeckungen in der Natur der Insel Jersey zu widmen.

Lange brauche ich nicht zu suchen denn die Vielfalt an besonders schönen Gärten auf der Insel ist hoch. Das Samares Manor House in St. Clement ist an Einzigartigkeit und Schönheit kaum zu überbieten. Hier residiert Vincent Obba, der Lehnsherr der Königin. Auch er wurde nicht zum Gärtner geboren sondern er dankte seine Leidenschaft zusammen mit seiner Erbschaft dieses stattlichen Anwesens. Einst war er Rechtsanwalt, bis er zum Gärtner wurde und seine Leidenschaft in der Apfelzucht entdeckte. Den Botanischen Garten freilich gab es schon lange vor ihm. Denn das Herrenhaus Samares Manor stammt ursprünglich aus dem Mittelalter und wurde 1924 von Sir James Knott übernommen, der im Laufe der 20er und 30er Jahre hier einen botanischen Garten anlegte. Die Weitläufigkeit des Geländes mit seinen satten grünen Wiesen herrlichen Rosenanlagen, blau blühenden Lavendelfeldern, Wasserspielen und einem japanischen Garten sowie zahlreichen weiteren Freuden floristischer Art, lassen das Herz eines Natur- und Gartenfreundes höherschlagen und laden mich zum Verweilen und Entspannen ein. Der feinsinnige Lehnsherr erzählt bescheiden vom Wachstum seiner sich fortwährend verändernden Parkanlage und im Laufe seiner blumigen Darstellungen erfahre ich, dass es auch hier seine Frau ist, welche die Passion für die Gartenkunst pflegt und die Anlage zusammen mit einigen Helfern in Schuss hält. Ähnliches kenne ich bereits von den Binneys aus St. Lawrence.


Die wilde Natur und ihre Schätze


Mehr kultivierte Natur könnte ich auf Jersey erleben, dessen Lebensart eine Mischung aus französischem Savoir-Vivre und britischen Lifestyle bildet. So zeigt sich etwa die preisgekrönte Orchideenzucht der Eric Young Foundation als Eldorado für Liebhaber gezüchteter Blumenwunder.

 

Mich zieht es in die wilde Natur. Nicht lange brauche ich zu suchen. Denn am südwestlichen Zipfel der Insel gelange ich nach la Corbiere, wo ich das bedeutendste Wahrzeichen der Kanalinsel entdecke. Es ist der Leuchtturm der auf einem kleinen, vorgelagerten Felsen, St. Brelade thront. Rund um den Leuchtturm eröffnen sich ausgedehnte, malerische Strände und dahinter attraktive Dünenlandschaften mit kleinen Hügeln die weite Ausblicke ermöglichen. Hier an der Südwestküste zeigt sich auch der einst von der deutschen Wehrmacht erbaute Atlantikwall sowie zahlreiche Bunkeranlagen, die in die Dünen hinein geschlagen wurden. Allerorts sind die Spuren der deutschen Besatzungszeit während des Zweiten Weltkriegs noch deutlich sichtbar und werden als Teil der Geschichte Jerseys präsentiert. Mancherorts werden diese Bunker heute umfunktioniert zu Restaurants und Bars. Eine genussvolle Nutzung der gar nicht appetitlichen Bauten.

In dieser Landschaft treffe ich auf Kazz Paddier, einen persisch-englischen Insel-Indianer, der sich mit den Früchten der Natur bestens auskennt. Ich lerne die Bedeutung von Rocksampfer, Algen, Seespinat, schmecke den salzigen See-Meerrettich, erfahre, dass sich die großen Blätter der gemeinen Klette sehr gut eignen, um darin Meeresfrüchte einzuwickeln und am nahe gelegenen Strand zu grillen. Auch das Anzapfen einer Birke und die Gewinnung von Birkensaft und dessen Verarbeitung zu Most erklärt mir Kazz bei unserem Spaziergang von der Küste hinauf in die Hügel der grünen Landschaft im Südwesten Jerseys. Ich lausche seinen Worten und höre welche Pflanzen giftig sind und welche ich essen darf denn nicht selten sehen giftige und essbare Pflanzen sehr ähnlich zueinander aus. Daher erfordert es eine gehörige Portion Erfahrung und Naturkenntnis, um in der Wildnis auf Nahrungssuche gehen zu können. Den flüssigen Abschluss dieser genussreichen Naturerkundung bildet ein Gläschen Holundersekt, den Kazza selbst aufgesetzt hat.


Mehr wilde Natur vor allem die Steilküsten und grünen Weiten möchte ich kennenlernen auf Jersey. Denn die Insel ist nicht nur ein hervorragendes Surferparadies wie etwa im Südwesten des Eilands, sondern weist besonders im Norden Klippen und Steilküsten auf, die man sonst nur aus Irland oder ähnlichen Inseln kennt.

So wandere ich von Plemont im Nordwesten Jerseys nach La Greve de Lerq oberhalb der steil abfallenden, schroffen aber sehenswerten Klippen. Wer Glück hat, kann auf dieser einzigartigen Wanderroute zahlreiche Vogelarten entdecken wie etwa den Papageientaucher, der auf der Insel zu Hause ist. Mehr als 20 km Wegstrecke oberhalb der Felsen eröffnen dem Wanderer Einblicke und Ausblicke, die ihresgleichen suchen. Da sag noch einmal jemand, Jersey wäre etwas für alte Leute. Diese Art von Naturerlebnis in einer fast vergessenen Region bildet gerade für junge Menschen, wie auch für Junggebliebene einen Aktivgenuss der Seinesgleichen sucht.


Natürliche Frische - Jerseys Gaumenfreuden


Doch was wäre die attraktivste Wanderung oder die schönste Naturbeobachtung, wenn der kulinarische Genuss dieser herrlichen Natur zu kurz käme. Wie gut dass Jersey so nah an Frankreich liegt. Denn dadurch hat die französische Küche und der Hochgenuss seinen Einfluss in die Küche Jerseys gefunden. Besonders frischer Fisch und Meeresfrüchte kommen hier auf den Tisch, ebenso wie Weißwein der auf Jersey dank des milden Klimas angebaut wird. Auch der Cider erfreut sich hoher Beliebtheit, denn Äpfel verarbeitet man hier gerne und vielfältig. Eine Spezialität sind zudem auch die Erdäpfel, die Jersey-Kartoffeln „Jersey Royals“ , welche sogar als Souvenir hohen Anklang bei Inselgästen finden. Salziges Karamell wie man es aus der Bretagne kennt, auch die sogenannte „Black Butter“, eine Marmelade aus Äpfeln und Zimt und der Apple Brandy als Ponton zum Calvados gehören hier ebenso zu den Spezialitäten wie ein kräftiger Gin vor dem Essen. Und dank der Jersey-Kuh, deren Milch besonders fetthaltig ist, spielen Milch und Käseprodukte auf der Insel eine große Rolle. Gerne kommt neben dem Fisch auch Lammfleisch in verschiedenen Variationen auf den Tisch. Die Früchte der Natur werden auf der Insel in raffinierten Kombinationen ausgiebig in der Küche genutzt. Gaumenfreuden, die man sich als Inselbesucher keinesfalls bei seinem Aufenthalt entgehen lassen sollte.




Jersey - kleine Insel, große Vielfalt


Mehr Jersey könnte ich erleben vielmehr hat diese kleine Insel mitten im Kanal zwischen Frankreich und England zu bieten, wie etwa die Bucht von St. Aubin oder das malerische Fischerdorf Goray mit seinem stolzen Mont Orgueil Castle auf dem Hügel, die beliebte „Jersey Pearl“, zahlreiche Museen und Herrenhäuser, atemberaubende Küstenabschnitte, das Naturreservat Les Mielles oder die Lavendelfelder im Südwesten der Insel. Mich begeistert vor allem die Herzlichkeit der Menschen, die nicht zuletzt aus der interessanten Kombination von französischer Lebensart und englischer Verbindlichkeit herrührt. Eine kleine aber feine Insel mit großer Vielfalt die zu erneuten Entdeckungsreisen einlädt. Jersey - das fast vergessene Paradies.


MEHR BILDER GIBT ES HIER

Wie kommt man hin?


Die Anreise nach Jersey gestaltet sich am einfachsten mit dem Flugzeug z. B. ab Düsseldorf mit Eurowings direkt nach San Helier in die Hauptstadt der Insel.

https://www.eurowings.com


Unterkunft


Eine gediegene Unterkunft mit Aussicht auf einen atemberaubenden, weitläufigen Strand und hervorragend ausgestatteten Zimmern sowie einem ausgezeichneten Wellness-Bereich bietet das L'Horizon Beach Hotel & Spa im Südwesten der Insel an der St. Brelades Bay. Vor allem die Restauration in diesem Hotel lässt das Herz eines Kulinarikers höher schlagen

www.Handpickedhotels.Co.Uk/lhorizon


Restaurant


Ausgesucht gute und frische Küche in einem stilvollen Ambiente am Hafen von Gorey bietet das Restaurant Sumas http://sumasrestaurant.Com


Attraktionen


Mehr Informationen zu den Gärten der Domaine des Vaux und dem dortigen Opernfestival gibt es hier:

https://en-gb.Facebook.com/domainedesvauxoperafestival


Den Botanischen Garten auf samares Manor findet man hier:

www.Samaresmanor.com


Orchideenfreunde finden ihre Passion bei der Orchid Foundation in Victoria village

www.Ericyoungorchid.org


Wer mit Kazza auf Adventure Tour gehen möchte, findet Informationen auf wild Adventures Jersey www.Wildadventuresjersey.Com


Wanderungen kann man mit und ohne Guide Unternehmen auf Jersey, Informationen gibt es bei Jersey Uncovered www.Jerseyuncovered.com


Viel mehr Aktivitäten und viel mehr Informationen gibt es bei Visit Jersey

www.Jersey.com


Diese Reise wurde durchgeführt mit freundlicher Unterstützung von Visit Jersey


Ein Artikel von:
Journeylist - Philip Duckwitz
Mitglied in der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (Journalistenkreis)
Mitglied im Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV)
Internet: http://www.journeylist.de




Unser Partner - Schlemmerregion-München
Einstellungen

Druckbare Version


Judith&Jules - handgemachter Schmuck